Islands Südosten von Vík bis Höfn
Südostisland beginnt dort, wo die meisten Tagestouren enden. Hinter Vík wird die Ringstraße ruhiger und die Landschaft weiter. Hier findest du schwarze Sandwüsten, die sich bis zum Horizont erstrecken, Gletscher, die direkt ans Meer reichen, und mittendrin immer wieder Orte, die einen echt staunen lassen.
Weiterlesen: Islands Südosten von Vík bis HöfnEs gibt Nationalparks, die zum Wandern einladen, komplett unwirkliche Canyons, wenige Orte und einfach sehr viel, sehr große Landschaft. Natürlich gibt’s auch ein paar der bekannten Island-Highlights wie die Gletscherlagune Jökulsárlón.
Das Beste: Je weiter man sich von Vík entfernt, desto weniger Reisebusse stehen auf den Parkplätzen.
Sehenswürdigkeiten und schöne Orte in Südostisland
Die folgende Liste folgt der Ringstraße von West nach Ost, also so, wie man die Stopps nacheinander anfahren würde, wenn man von Reykjavík oder Vík startet. Wer von Höfn kommt, liest sie einfach von unten nach oben.
Hjörleifshöfði (Yoda Cave)
Hjörleifshöfði ist eine kleine Höhle, die kurz hinter Vík liegt und schon einen kleinen Star-Auftritt in Star Wars hatte, allerdings touristisch noch ein bisschen unter dem Radar läuft. Sie ist nicht so stark besucht, wie andere Film-Kulissen und das macht sie umso attraktiver (finde ich). Sie ist ein guter Stopp, um sich kurz die Beine zu vertreten, in den Sommermonaten kann man hier auch eine kurze Wanderung über den Hjörleifshöfði Berg einschieben. Die ist ca. 3,5 Kilometer lang, durchgehend mit Holzpflöcken markiert und beinhaltet ein paar historische Orte, wie den „Inselfriedhof“ und zugewuchterte Ruinen eines Bauernhofs.
Alternativ kann man auch „untenrum“ zur Höhle laufen, das dauert ungefähr 20-30 Minuten (diese Strecke kann man auch mit dem Auto fahren). Von der Höhle aus hat man einen tollen Ausblick über den Strand und auf’s Meer. Vom Gipfel des Hjörleifshöfði kann man in die andere Richtung außerdem die naheliegenden Gletscher sehen.


Fjaðrárgljúfur Canyon
Der Fjaðrárgljúfur Canyon liegt kurz vor dem Örtchen Kirkjubæjarklaustur und wurde durch Justin Bieber bekannt. Der hat hier nämlich ein Musikvideo gedreht, was zur Folge hatte, dass seine Belieber an den Canyon gepilgert sind. 2019 wurde der Canyon gesperrt, damit sich die Natur von den Besucherströmen regenerieren konnte (er ist wieder geöffnet).
Genug von Justin Bieber, zurück zum Ort! Fjaðrárgljúfur ist eine riesige, beeindruckende Schlucht, die vom Hochlandfluss Fjaðrá ausgewaschen wurde. Der Canyon ist ca. 2 Kilometer lang, an seinem Ende fließen 3 Wasserfälle in die Schlucht. Gerade im Sommer ist Fjaðrárgljúfur besonders schön, dann ist alles grün und man bekommt ein bisschen das Mittelerde-Gefühl, was Island ja recht oft auslöst.
Von der Ringstraße aus fährt man ein paar Kilometer über die Straße 206 bis man zum Parkplatz kommt, von hier aus geht es dann zu Fuß weiter. Vor Ort gibt es ein Toilettenhäuschen, die Parkkosten liegen bei 1.000 ISK für einen normalen PKW, die man direkt über die Parka-App bezahlen kann.
Kirkjubæjarklaustur
Kirkjubæjarklaustur ist der einzige Ort zwischen Vík und Höfn und die einzig „richtige“ Versorgungstation auf diesem Abschnitt. Tankstelle mit kleinem Supermarkt, Schwimmbad und Gasthäuser gibt es hier. Auf dem Weg Richtung Osten auf jeden Fall ein sinnvoller Stopp, um Benzin und Snacks aufzufüllen. In der Nähe gibt es 2 Campingplätze.
Mein Tipp: In der Tankstelle gibt es für kleines Geld eine Tagessuppe, die bei all meinen Besuchen immer super lecker war.
Klaustur, wie die Einheimischen sagen, bietet aber nicht nur Versorgung. Direkt vom Örtchen aus sieht man schon den Systrafoss, zwei gleichhohe Wasserfälle, die Seite an Seite den Berghang herunterfließen, wie Schwestern eben (Systur heißt auf Deutsch „Schwester“, bzw. „Nonne“). Der Name führt auf das Benediktinerkloster zurück, das hier von 1186 bis 1550 stand. Weiter höher liegt der Systravatn, der Schwesternsee. Hatte ich erwähnt, dass das „Klaustur“ aus Kirkjubæjarklaustur Kloster heißt? Gefühlt sind ja alle Namen hier davon beeinflusst. So auch Kirkjugólf, der Kirchenboden, einen kurzen Spaziergang vom Ortszentrum entfernt. Kirkjugólf sind Basaltsäulen, die so abgetragen wurden, dass sie aussehen wie Pflastersteine. Obwohl der Name eine Kirche nahelegt, stand hier nie eine.
Westlich von Klausur liegt das riesige Lavafeld Eldraun, das durch einen Vukanausbruch von 1783/1784 geformt wurde. Hier gibt es immer wieder Parkbuchten, von denen man das Gebiet bestaunen kann. Direkt am ersten Campingplatz liegt außerdem noch der Stjórnarfoss, ein hübscher kleiner Wasserfall.

Vatnajökull Nationalpark & Skaftafell
Fährt man weiter Richtung Osten, wird die Landschaft zur linken sehr schnell von einem Riesen dominiert: Vatnajökull, Europas größter Gletscher ist ab jetzt allgegenwärtig.
Der Vatnajökull Nationalpark ist Islands größter Nationalpark, UNESCO-Welterbe und ein Zusammenschluss vieler kleinerer Nationalparks. Einer von diesen kleineren Nationalparks ist Skaftafell, der nur wenige Kilometer entfernt von der Ringstraße liegt. Hier gibt es ein Besucherzentrum, einen Campingplatz und die meisten Gletscherwanderungen auf Zungen und Ausläufer des Vatnajökull starten hier.
Im Skaftafell selbst gibt es viele schöne Wanderwege jeder Länge, ich kann den Rundweg mit um die 6km empfehlen. Der Weg führt nicht nur zum berühmten Svartifoss, einem Wasserfall, der von Basaltsäulen umrahmt ist, sondern auch noch zu einem Aussichtspunkt und dem alten Hof Sel, den ich sehr spannend fand.
Wenn du eine Gletscherwanderung, Eishöhlentour, Eisklettern, Zipline über den Gletscher oder sonst etwas machen möchtest, was mit dem Gletscher zu tun hat, ist hier der Place to be. Gegenüber vom Besucherzentrum haben mehrere Anbieter ihre Basecamps, viele Touren starten ab hier.
Hinweis zum Parken: Parken am Skaftafell kostet 1.040 ISK für einen normalen PKW und kann direkt über Parka gezahlt werden.






Jökulsárlón Gletscherlagune
Zurück auf der Ringstraße ist das nächste Ziel die bekannteste Sehenswürdigkeit in Südostisland: die Gletscherlagune Jökulsárlón. Hier kalbt der Vatnajökull in einen See, was dazu führt, dass kleine Eisbrocken und große Eisberge in der Lagune schwimmen. Richtig, richtig beeindruckend, gerade im Sonnenuntergang oder wenn es schneit. In der Lagune leben Seehunde, die man oft vom Ufer aus beobachten kann.
Wenn man ein bisschen Action möchte, kann man hier eine Boots- oder Kayak-Tour machen.
Hinweis zum Parken: Parken am Jökulsárlon kostet 1.040 ISK für einen normalen PKW und kann direkt über Parka gezahlt werden. Man zahlt für Jökulsárlón und Diamond Beach.
Diamond Beach
Direkt gegenüber der Gletscherlagune Jökulsárlón liegt der Diamond Beach, bzw. Breiðamerkursandur wie der Strand tatsächlich heißt. Hier werden Eisblöcke, die vom Jökulsárlón den Weg ins Meer gefunden haben, an Land gespült und liegen wie Diamanten am schwarzen Strand.
Besonders magisch ist der Diamond Beach wenn die Sonne tief steht und in den Eisblöcken reflektiert.
Mein Tipp: direkt am Anfang des Strandes am Parkplatz bündeln sich die Besucher. Wenn man ein Stück weiter läuft, hat man vielleicht weniger Eisblöcke, aber auf jeden Fall deutlich weniger Menschen um sich herum und kann den Ort richtig genießen. Wenn du mit dem Mietwagen unterwegs bist, versuch nicht zu den Hauptzeiten der Bustouren hier zu sein.
In diesem Text findest du meine Tipps für Island ohne Menschen.

(man sieht ihre echte Größe leider nicht)


Fjallsárlón Gletscherlagune
Wenn du keine Lust auf die große Gletscherlagune hast, kannst du alternativ Fjallsárlón besuchen. Das ist ein kleinerer Gletschersee, der ein Stückchen vor dem Jökulsárlón liegt, wenn man von Westen aus kommt. Weil es viele Leute direkt zur großen Lagune zieht, ist hier ein bisschen weniger los.
Action-technisch gibt es auch Boots- und Kayaktouren, aber man kann auch Icefloating machen, da hätte ich richtig Bock drauf!
Hinweis zum Parken: Parken kostet hier 1.000 ISK für einen normalen PKW und kann über Parka gezahlt werden.
Höfn í Hornafirði
Höfn ist die einzige „Großstadt“ im Südosten Islands und hat ca. 2.000 Einwohner. Es ist der letzte große Ort vor den Ostfjorden (der nächste ist Egilsstaðir). Hier gibt es alles, was man braucht: einen Supermarkt, Museen, Restaurants, Imbisse, Hotels, Gasthäuser, eine Jugendherberge und einen Campingplatz.
Berühmt ist Höfn vor allem als Hummerhauptstadt Islands, im Juli findet hier alljährlich das Hummerfestival statt. Wenn du in Höfn Hummer essen möchtest, bieten sich dafür das Restaurant Pakhús am Hafen und das Kaffi Hornið an. Letzteres hat auch Rentier auf der Karte, davon leben im Osten Islands nämlich 2 große Herden.
Stokksnes & Vestrahorn
Ein paar Kilometer hinter Höfn liegt für mich der schönste schwarze Strand Islands: Stokksnes mit dem Berg Vestrahorn im Hintergrund. Hier treffen schwarze Dünen auf grünes Dünengras und je nach Gezeiten auf eine spiegelglatte Wasserfläche, in denen sich der Berg spiegelt. Großartig!
Nebendran liegt ein Wikingerdorf, das kein echtes Wikingerdorf ist, sondern vor zig Jahren mal als Filmkulisse aufgebaut wurde. Für den ursprünglichen Film wurde sie nie genutzt, dafür aber vor ein paar Jahren in der Netflix-Serie „The Witcher: Blood Origin“ genutzt.
Am Eingang zum Gebiet liegen ein Campingplatz und das Viking Café mit angeschlossenem Guesthouse. Die Waffeln und Toasts (also eher gutes getoastetes Brot mit viel geilem Belag) im Café sind super lecker. Im Viking Café zahlt man auch den Eintritt von 1.100 ISK (oder die Campingplatzgebühr, wenn man hier übernachtet), um Strand und Wikingerdorf besuchen zu können. Man kann sogar mit dem Auto runterfahren, was ich besonders im Campervan genossen habe, weil ich so im Bett mit Blick auf Strand und Berg gefrühstückt habe.



Anreise & Planung
Südostisland ist kein Abschnitt, den man mal eben auf dem Weg mitnimmt, hier kann man durchaus ein paar Tage oder sogar eine Woche verbringen. Hier sind die wichtigsten Infos zu Anreise und Planung im Südosten Islands.
Mietwagen oder Bustour?
Es gibt einige kommerzielle Tagestouren von Reykjavík bis Jökulsárlón, eine gute Option, wenn man ohne Mietwagen unterwegs ist. Die Touren dauern in der Regel 15 bis 16 Stunden, man sitzt also den Großteil des Tages im Bus und die Stopps unterwegs sind auf die Hauptsehenswürdigkeiten begrenzt (in der Regel Seljalandsfoss, Skógafoss, Reynisfjara, Vík, Fjaðrárgljúfur, Jökulsárlon, ggf. noch kleinere zwischendrin). Wenn du Südostisland intensiv und abseits der Hauptattraktionen erleben möchtest, kommst du nicht um den Mietwagen drumherum.
Tagesausflug oder Übernachtung?
Von Reykjavík bis Höfn sind es rund 450 Kilometer, also um die 6 Stunden reine Fahrtzeit ohne Stopps… in einem Tag machbar, aber ehrlich gesagt viel zu ambitioniert. Ich plane für die gesamte Südküste in der Regel zwischen 3 und 5 Tage ein, je nachdem ob man die Ringstraße komplett fährt oder sich auf den Süden konzentriert.
Übernachtungen bieten sich in Vík, Kirkjubæjarklaustur, in der Nähe von Jökulsárlón und rund um Höfn an.
Beste Reisezeit
Südostisland lohnt sich zu jeder Jahreszeit, aber wie immer in Island gilt: je nachdem was man erleben möchte, macht der Zeitpunkt einen großen Unterschied. Im Sommer kann man mehr erleben und z. B. die Wanderwege im Skaftafell Nationalpark richtig nutzen, man kann entspannt am Fjaðrárgljúfur entlang spazieren und das satte Grün der isländischen Landschaft aufsaugen. Im Winter gibt es Eishöhlen im Vatnajökull, die Chancen auf Nordlichter steigen, und die Eisberge auf dem Diamond Beach funkeln in der golden Hour besonders schön.
Die Ringstraße ist ganzjährig befahrbar, allerdings ziehen gerade im Herbst, Winter und Frühjahr häufig Stürme über’s Land, die die Strecke in den Südosten echt unangenehm machen können (hier liegen 2 große Sand- und Asche-Abschnitte, bei höheren Windgeschwindigkeiten wird man regelrecht gesandstrahlt). Auch kann es passieren, dass die Ringstraße bei entsprechenden Wetterwarnungen kurzzeitig gesperrt wird. Wie immer: plane im Winter entsprechende Puffer-Tage für Unvorhersehbares ein, dann sollte alles passen.
Südostisland – ein kleines Fazit
Während ich diesen Text geschrieben habe, habe ich wieder festgestellt, wie gerne ich die Region eigentlich mag. Ich habe schon recht viel Zeit hier verbracht und noch immer nicht alles gesehen und erlebt (was auch daran liegt, dass ich oft im Winter hier war).
Wenn du nur eine Woche in Island bist, lohnt sich der Weg bis Stokksnes, mindestens aber bis zur Gletscherlagune auf jeden Fall, man kann jeden Tag mit neuen spannenden Orten und Aktivitäten füllen.
Wenn du auf der gesamten Ringstraße unterwegs bist, plane auf jeden Fall einen Tag mehr ein, es gibt viel mehr zu entdecken, als man im ersten Moment denkt (ein paar richtig schöne Orte habe ich im Text noch nicht einmal erwähnt).
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