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Island ohne Menschen – so bist du in Island allein

Einzelne Person vor dem Skógafoss Wasserfall - Island ohne Menschen

Unendlich weite Landschaften und keine Menschenseele weit und breit, so stellt man sich Island ja oft vor. Leider sieht die Realität anders aus. Island hatte in Prä-Pandemie Zeiten bis zu 2.3 Millionen Besucher*innen jährlich. 2022 werden bis zu 1.3 Millionen Menschen erwartet. Damit wird der Traum von den menschenleeren Landschaften eher zur Traumvorstellung.

Naja, zumindest fast. Die Besucher*innenzahlen variieren nämlich stark von Monat zu Monat und an den top Sehenswürdigkeiten stark von der Tageszeit. Deshalb bekommst du hier den absoluten Guide für deine Islandreise ohne Menschenmassen.

Reisezeit

Island wird besonders gerne in den Sommermonaten besucht. Ist auch klar schließlich ist das Wetter besser, man kann theoretisch alle 24 Stunden des Tages nutzen um unterwegs zu sein und die meisten Attraktionen, wie zum Beispiel das Hochland, sind verfügbar. Wenn du keine Lust auf Menschen hast, solltest du also auf jeden Fall die Sommermonate Juni bis August vermeiden. Ausläufer des Sommer-Ansturms sind auch im Mai und September zu spüren.

Die Monate mit den wenigsten Besucher*innen sind von Januar bis April. In dieser Zeit ist es in Island ungemütlich. Das ist der Teil vom Winter, wo man schon wieder auf den Frühling wartet und das Wetter an Ekelhaftigkeit nochmal alles rausholt, was geht. Stürme, Schnee, gesperrte Straßen – kann alles am Start sein. Aber Entwarnung: es gibt auch schöne Tage in dieser Zeit und ich habe sie schon erlebt.

Worauf du dich in dieser Zeit in Island einstellen solltest

Nordlichter, Wale, winterliche Landschaften, Schneegestöber, einen heißen Kaffee bei usseligem Draußen. Sehenswürdigkeiten ohne viele Menschen, wenige Autos auf den Straßen und viele Orte komplett für dich allein.
Wie schon gesagt, das Wetter kann mies werden. Deshalb solltest du möglichst flexibel sein. Diese Monate lassen Flexibilität sogar ganz gut zu. Man kann viele Unterkünfte spontan buchen und es sind bessere Mietwagen zu einem oftmals geringerem Preis als im Sommer verfügbar, auch wenn man recht spontan bucht. Ich empfehle dir, mindestens 3 Tage Puffer einzuplanen, falls du irgendwo feststeckst.

→ mehr erfährst du in meinem Text zu Island im Winter

Tageszeit

Islands Sehenswürdigkeiten sind in ihrer Besuchszahl stark von der Tageszeit abhängig. Das kann man besonders gut auf dem Golden Circle oder an der Südküste beobachten. Die meisten Tourbusse starten ungefähr zur gleichen Zeit in Reykjavík und damit schieben sich die Besuchermassen natürlich auch ungefähr zur gleichen Zeit an den Sehenswürdigkeiten vorbei. Um das zu umgehen, starte einfach zeitlich versetzt zu den organisierten Touren.

Besucherströme an den meist-besuchten Sehenswürdigkeiten

Ich schreibe diesen Text am 12. April 2022. Die Zahlen zu den Besucher*innen in diesem Jahr beziehen sich also auf den Zeitraum vom 01. Januar bis 11. April 2022 und werden im Laufe des Jahres, besonders in den Sommermonaten, noch steigen.

Geysir

Geysir wurde in diesem Jahr bereits von 145.097 Personen besucht, das sind um die 1.800 bis 2.000 Menschen am Tag. Die meisten davon waren im März dort (knapp 60.000). Die Monate mit den traditionell meisten Besuchern sind Juli (72.500 Besucher in 2021) und August (87.000 Besucher in 2021). Die Zeit, die du unbedingt vermeiden solltest ist 13:00 Uhr, wobei ich sagen würde, du solltest alles zwischen 12:00 und 14:30 Uhr vermeiden.

Gullfoss

Gullfoss und Geysir liegen gemeinsam auf dem Golden Circle, daher unterscheiden sich ihre Zahlen nicht sooo stark. In 2022 wurde der Wasserfall bereits von gut 95.000 Personen besucht (ich denke, die Zahl müsste höher sein und in der Nähe der Geysir-Zahl liegen weil Gullfoss auf wahrscheinlich jeder Golden Circle Tour angefahren wird). Auch hier waren im März die meisten Personen am Start, Juli und August sind die Monate, die du auf jeden Fall vermeiden solltest, wenn du keine Lust auf Menschen hast. Um 12:00 Uhr rum sind hier die meisten Touris. Du solltest also vor 11:00 oder nach 13:30 Uhr am Gullfoss auftauchen um die Massen zu umgehen.

Þingvellir

Zwischen den Kontinenten im Þingvellir Nationalpark kamen an der Messstelle Kárastaðastígur (das müsste in der Nähe der Almannagjá liegen – korrigier mich bitte in den Kommentaren, wenn das nicht stimmt!) 2022 bereits 48.905 Personen vorbei. Allein im März war es ungefähr die Hälfte davon. Top-Monate auch hier Juli und August. Die Top-Besuchszeit ist 11:00 Uhr, also solltest du vor 10:00 oder nach 12:30 Uhr hier sein.

Fazit: Beste Besuchszeit des Golden Circle

Wenn du den Golden Circle besuchen möchtest, solltest du vor 10:00 Uhr am Þingvellir Nationalpark aufschlagen um den Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Die Fahrt ab Reykjavík dauert hierhin ungefähr eine Stunde. Da auf dem Weg noch andere schöne Stopps liegen, würde ich empfehlen, schon um 8:00 Uhr morgens zu starten.

Alternativ kannst du natürlich auch am Nachmittag auf den Golden Circle (aber Achtung, es gibt auch Afternoon-Touren). Dann solltest du anpeilen, ab 13:00 Uhr am Þingvellir Nationalpark anzukommen. Wenn du ganz antizyklisch fahren möchtest, kannst du den Golden Circle auch vom Süden aus befahren und die Reihenfolge Gullfoss – Geysir – Þingvellir nehmen.
Idealerweise besuchst du den Golden Circle zwischen November und Juni um anderen Menschen größtenteils aus dem Weg gehen zu können.

So sieht Island ohne Menschen aus

Ich hatte schon mehrfach das Glück, ohne viele Menschen drumherum an den beliebten Sehenswürdigkeiten zu sein. Im Frühjahr 2021 als Corona vielen Reisen noch einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, war es der Standard, überall allein zu sein. Ab und an waren noch 1-2 andere Personen dort, die haben sich dann aber meist schnell vom Acker gemacht (1-2 andere Personen sind jetzt auch nicht schlimm).

Südküste

Leider habe ich keine Zahlen zum Seljalands- und Skógafoss gefunden, nur zum Reynisfjara-Beach und Sólheimajökull. Weil die aber perfekt auf der Tour mit den beiden Wasserfällen liegen, habe ich die Top-Besuchszeiten ganz gut ableiten können.

Seljalandsfoss und Skógafoss

Von Reykjavík zum Seljalandsfoss fährt man knapp 2 Stunden. Mit den Tourbussen, die ihren Start zwischen 8:00 und 9:00 Uhr haben, sollte hier der Besucher*innen-Peak zwischen 10:00 und 11:00 Uhr erreicht sein. Zum Skógafoss sind es ab Reykjavík etwas mehr 2 Stunden, also sollten die Menschenmassen nach 20-minütigem Füße-Vertreten & Fotos-machen am Seljalandsfoss hier zwischen 12:00 und 13:00 Uhr eintreffen. Wenn du (einigermaßen) ungestört an den Wasserfällen sein möchtest, solltest du wahrscheinlich schon gegen 7:00 Uhr in Reykjavík starten. Dann bist du ungefähr am Seljalandsfoss, wenn die Busse Reykjavík gerade verlassen.

Sólheimajökull

Der Gletscher Sólheimajökull liegt nur knappe 3 Stunden Fahrt von Reykjavík entfernt und ist damit ein gern eingelegter Stop auf der Südküstentour. 2022 wurde er bereits von 28.380 Personen besucht, die meisten davon kamen im März. Sólheimajökull ist ein beliebter Ort für Gletscherwanderungen und Ice-Climbing (deshalb war ich eine von den 7.858 Besucher*innen im Dezember 🙃). Um 14:00 Uhr rum sind die meisten Personen am Gletscher und das ist auch die Zeit, zu der die meisten Touren starten (um 16:30 Uhr sind sie wieder vorbei, dann wird es nochmal voller). Wenn du keine Gletschertour machen möchtest, solltest du bis 13:30 Uhr am Gletscher sein. Man kann hier übrigens auch ohne geführte Tour bis zum Eisrand spazieren gehen. Es gibt eine kleine Gletscherlagune und tolle Aussichten auf den Gletscher selbst.

Reynisfjara Beach

Reynisfjara ist ein Ort, der auf keiner Südküstentour fehlen darf. Der kleine schwarze Strand zieht jährlich unfassbar viele Menschen an und hier kann es wirklich eng werden. 2022 waren laut Visit Iceland (von denen ich auch die anderen Zahlen habe) 10.285 Menschen dort, ungefähr 1.000 am Tag. Ich möchte dazu sagen, dass die monatlichen Besucherzahlen für 2022 nicht komplett sind, Februar und März fehlen. Die tatsächliche Besucherzahl schätze ich auf um die 40-50.000.

Die Top-Besuchszeit ist 14:00 Uhr. Das ist auch die Zeit, zu der die meisten Tourbusse hier ankommen müssten (die Touren starten morgens zwischen 8:00 und 9:00 Uhr in Reykjavík). Um den Menschenmassen aus dem Weg zu gehen und den Strand in seinem schönsten Licht zu sehen, empfehle ich den späten Nachmittag, bzw. die Golden Hour falls du zu einer Jahreszeit mit dunklen Nächten in Island bist.

Fazit: Beste Besuchszeit der Südküste

Ich würde sagen, die beste Zeit für die Südküste ist am Nachmittag und schlage daher vor, früh in Reykjavík zu starten, die Wanderung ins Reykjadalur (top Besuchszeit ist 11:00 Uhr, aber immerhin sind hier im Schnitt nur 300 Personen am Tag) zu machen um seine Zeit mit Baden im heißen Fluss bestmöglich zu verplempern. Im Anschluss geht’s dann locker und entspannt zu den Wasserfällen und Reynisfjara. Alternativ kannst du diese Sehenswürdigkeiten auch von hinten aufrollen, zum Strand durchfahren und dich dann Stück für Stück wieder nach Reykjavík zurückarbeiten. Gut an den Wasserfällen: man kann die Parkplätze relativ gut von der Ringstraße aus einsehen und abschätzen, wie voll es schon ist.

Weniger stark frequentierte Landesteile

Fakt ist, alles rund um Reykjavík ist stärker besucht als andere Teile des Landes. Innerhalb einer Woche kommt man gut entlang der Südküste bis Höfn. In Richtung Norden kommt man gut bis nach Akureyri, wobei hier weniger der Hauptattraktionen liegen, was diese Richtung für viele Tourist*innen unattraktiver macht.

Weniger stark frequentiert sind demnach vor allem der Osten und Norden zwischen Höfn und Akureyri, wie auch die Westfjorde weil die durch ihre remote Lage, vergleichsweise schlechte Straßen und fehlende Infrastruktur ziemlich abschreckend sind. Beide Landesteile haben wunderschöne Ecken und auch ziemlich viele Naturspektakel zu bieten. Dabei sind sie rau und weniger poliert wie beispielsweise die Südküste. Wenn du Menschen in Island aus dem Weg gehen willst, sind das die Ecken, in denen du Glück haben kannst. Hierbei sei natürlich auch gesagt, dass gerade der Norden und Osten im Sommer stärker besucht sind weil sich diese Zeit für viele Leute perfekt für die Umrundung der Ringstraße anbietet.

Island mit wenig Menschen ist möglich

Aber es bleibt schwer, ihnen komplett aus dem Weg zu gehen. Gerade jetzt, wo der internationale Tourismus wieder Fahrt aufnimmt und Island seine Covid-Restriktionen gestrichen hat, wird man an den meisten Orten wieder auf andere Leute treffen. Wenn du zu smarten Uhrzeiten an den beliebtesten Spots bist, gehst du auf jeden Fall den riesigen Menschenmassen aus dem Weg. Wenn du es insgesamt ruhig haben möchtest, solltest du überlegen, die weniger stark besuchten Landesteile zu erkunden. Und generell gilt: Fernab der Ringstraße und festgetrampelten Pfade tummeln sich weniger Leute und vor allem nur die, die es wirklich wollen. Ob mit oder ohne Menschen, ich wünsche dir eine wunderbare Zeit in Island.

CategoriesAllgemein
Sabrina

Góðan daginn!
Ich heiße Sabrina und das mit Island und mir hat schon angefangen, als ich ein Kind war. Meine Eltern hatten mir damals das Buch “Glósi mein Islandpferd” geschenkt und mein größter Wunsch war es, mal auf dem Rücken eines Isländers durch Island zu reiten. 2013 habe ich mir diesen Wunsch endlich erfüllt und Island steht seitdem jährlich auf meiner Reiseliste.

  1. Marie says:

    Ich kann die Wintermonate auf Island sehr empfehlen. Das letzte Mal war ich im Februar dort und habe so ziemlich alle Wetterbedingungen erleben dürfen, die man sich vorstellen kann.

    Den Golden Circle habe ich in strömendem Dauerregen besucht. Trotz des Regens waren viele Besucher am Strokkur und auch im Thingvellir Nationalpark. Allerdings waren wir beinahe alleine am Kerid Krater und auch am Gullfoss war niemand. Das war allerdings kurz vor Sonnenuntergang bei Starkregen.

    Daneben hatten wir auch viel Schnee und in Richtung Osten wurde Island bald Menschenleer. Auf dem Weg in die Region rund um den Vatnajökull war die Ringstraße so wenig befahren, dass wir einfach am Straßenrand anhalten konnten und kaum Autos vorbeikamen. Hier hatten wir wirklich eine wunderschöne Winterlandschaft mit viel Schnee und auch blauen Himmel genießen können. Sogar Nordlichter haben wir in der Nähe von Höfn gesichtet.

    Die Region im Osten Islands ist definitiv weit weniger besucht und bietet aber unglaublich schöne Landschaften. Ich denke, die relativ große Entfernung zu Reykjavik sorgt dafür, dass Tagesausflügler hier nicht mehr auftauchen. Meine absolute Lieblingsregion auf Island.

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