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Island Rundreise auf der Ringstraße

Island Ringstraße - Rundreise auf Islands Ringroad

Islands Ringstraße ist DIE Hauptstraße in Island und führt auf knapp 1.400 Kilometern Länge einmal um die komplette Insel. Ausgenommen sind nur die Nord- und Westfjorde, wie auch die Halbinsel Snæfellsnes.

Die Ringstraße hat viele Namen: Ringroad, Hringvegur und Þjóðvegur 1 sind die bekanntesten. Seit August 2019 ist die Straße komplett asphaltiert, vorher gab es im Osten noch ein paar Schotterabschnitte.

Hier die wichtigsten Infos in Kürze:

  • Länge: 1.332 Kilometer
  • Tempolimit: 90 km/h, 50 km/h in bewohnten Gebieten
  • Zustand: gut fahrbar
  • Spuren: 2, manche Brücken sind einspurig
  • Unterkünfte: zahlreich vorhanden, vor allem in größeren Ortschaften
  • Bestes Auto: im Sommer egal, im Winter auf jeden Fall Allrad-Antrieb

In welche Richtung ist die Ringstraße schöner?

So oder so kommst du auf der Ringstraße überall vorbei. Meine persönliche Lieblingsrichtung ist gegen den Uhrzeigersinn, also zuerst durch den Süden. Das liegt vor allem daran, dass ich nach mehreren Tagen Roadtrip irgendwann gesättigt bin und die Schönheit der Natur gar nicht mehr so intensiv wahrnehme, wie noch am Anfang der Reise. Ich persönlich finde den Abschnitt zwischen Akureyri und Reykjavík, bzw. andersherum eher langweilig, deshalb ist das für meine Impressionen-Sättigung ein guter Abschluss.

Wenn du deine Ringroad-Tour dramaturgisch aufbauen möchtest, empfehle ich dir auf jeden Fall, mit dem Uhrzeigersinn zu fahren. Wie gesagt, der Abschnitt zwischen Reykjavík und Akureyri ist nicht der schönste der Tour, danach übertreffen sich die Landschaft und Sehenswürdigkeiten mit jeder Kurve, durch die man fährt.

Wie lange dauert die Umrundung?

Man schafft die Ringroad in 24 Stunden zu umrunden, ob man das wirklich will, steht auf einem anderen Blatt. Am besten plant man mindestens 5 Tage für Islands Ringstraße ein, so ist man relativ stressfrei unterwegs und hat ausreichend Zeit für Zwischenstopps entlang der Route und Abstecher, zum Beispiel nach Seyðisfjörður oder Snæfellsnes.

Welches Auto sollte ich nehmen?

Im Sommer kannst du die Ringstraße mit einem Kleinstwagen fahren, im Winter empfehle ich einen 4×4 Wagen. Alles dazwischen ist möglich. Ich weiß, das ist nicht gerade die beste Antwort… in einem anderen Text habe ich mehr zum Autofahren in Island geschrieben.

Kann ich die Ringstraße mit dem Camper-Van fahren?

Auf jeden Fall. Dabei solltest du beachten, dass man in Island nur auf ausgewiesenen Campingplätzen übernachten darf. Das Jedermannsrecht gibt es in Island nicht, dafür gibt es an jeder Ecke Campingplätze, die absolut erschwinglich sind.

Wenn du noch nie mit dem Van unterwegs warst, empfehle ich dir für deine Camper-Ringroad-Tour den Sommer. In allen anderen Jahreszeiten kann es nachts im Auto recht kühl werden (und damit meine ich schweinekalt) – da spricht die Erfahrung 🙃

Wann ist die beste Reisezeit für die Ringstraße?

Nachdem ich Anfang April auf der Ringstraße war, sage ich ganz klar: Sommer oder Frühherbst. Bei meiner Umrundung lag noch sehr viel Schnee, es war windig und kalt. Isländischer Winter wie aus dem Bilderbuch. Der Vorteil vom Sommer ist ganz klar, dass die Schneewahrscheinlichkeit sehr gering und die Tage sehr lang sind.

Der Nachteil am Sommer (zumindest wenn gerade keine Pandemie herrscht): es sind viele andere Leute unterwegs. Die Ringstraße ist schließlich einer der beliebtesten Island-Urlaube. Wenn du günstig übernachten willst, solltest du daher früh genug buchen.


Ringstraße im Süden

Übertrieben gesagt, kann man sagen, dass so gut wie alle Highlights in Südisland liegen (es ist nicht so). Deshalb ist die Region auch so beliebt bei Besucher*innen. Dazu kommt natürlich auch noch, dass Islands Süden sehr gut von Reykjavík erreichbar und damit super für eine Tagestour ist. In diesem Abschnitt nehme ich dich mit auf die Strecke von Reykjavík nach Höfn.

Reykjavík bis Vík

Dieser Abschnitt beginnt mit dem Weg über Hellisheiði, wo man mit jedem Wetter rechnen kann – egal, wie schön es in Reykjavík bei der Abfahrt war. Als ersten kleinen Ort durchquert man Hveragerði, wo wahrscheinlich die meisten Gewächshäuser stehen. Von hier aus kann man ins Reykjadalur laufen, wo es einen heißen Fluss zum Baden gibt.

Weiter geht es nach Selfoss, die größte Stadt in Südisland und im Anschluss Richtung Hella, wo man die Höhlen von Hella besuchen kann. Der erste Postkarten-Stopp an der Südküste ist Seljalandsfoss, den man schon von Weitem sehen kann. Ich empfehle auch einen Besuch beim Gljúfrabúi, der sich ein paar hundert Meter weiter in einer Felsspalte versteckt.

Weiter geht es auf der Ringstraße zum Skógafoss. Für die Camper-Van-Reisenden: hier gibt es einen Campingplatz mit Blick auf den Wasserfall 😍 Und für die Wandersleute: am Ende der Treppe beginnt der Fimmvörðuháls-Wanderweg. Für eine kleine Idee vom Isländischen Hochland kann ich ein paar Kilometer auf diesem Weg nur empfehlen.

Auf dem Weg nach Vík kann man beim Flugzeugwrack DC-3 anhalten. Hin- und Rückweg dauern jeweils ungefähr 45 Minuten, außer man nimmt den Shuttlebus. Als nächstes kommt man zu Dyrhólaey mit seiner wunderschönen Aussicht über die schwarzen Strände, Felsen und das Meer. Kurz vor Vík lockt dann noch der Reynisfjara-Strand zu einem kleinen Besuch.

Ich habe mich jetzt hier recht kurz gehalten, mehr zu den einzelnen Orten erfährst du im Text zu Südisland.

Zwischen Vík und Höfn

Zwischen Vík und Höfn wird es schon ein bisschen einsamer. Die Strecke dauert ungefähr dreieinhalb Stunden, wenn du durchfährst, aber das macht man ja nicht.

Schon kurz nach Vík hast du nämlich die Möglichkeit, an der Hjörleifshöfði Cave, auch bekannt als Yoda Cave, zu halten. Die Höhle ist noch relativ wenig besucht und bietet eine schöne Gelegenheit, sich auf dem Weg die Beine zu vertreten und Fotos zu machen. Man läuft circa 1 Stunde hin und zurück.

Kurz vor dem Örtchen Kirkjubæjarklaustur liegt der berühmte Fjaðrárgljúfur Canyon. Um hinzukommen biegst du links von der Ringstraße auf die Straße 206 ab, der du bis zum Ende folgst. Dort findest du Parkplatz, Toilettenhäuschen und den Canyon.

Kirkjubæjarklaustur bietet die Möglichkeit, nochmal zu tanken und in der Tankstelle alles wichtige einzukaufen. Das ist die letzte Möglichkeit für Snacks vor Höfn.

Auf der Strecke zwischen Kirkjubæjarklaustur und Höfn wirst du ständig vom Blick auf den Vatnajökull begleitet. Im Skaftafell Nationalpark liegt der Svartifoss Wasserfall, einer der schönsten Wasserfälle von Island. Die Runde ist 3,2 Kilometer lang und dauert ungefähr eine Stunde zu laufen.

Der nächste große Stopp ist an der Gletscherlagune Jökulsárlon und dem Diamond Beach. Wenn du ein kleines Stückchen vor dem offiziellen Parkplatz parkst (der liegt direkt hinter der Brücke), hast du gute Chancen, allein an der Lagune zu stehen.

Zwischen Gletscherlagune und Höfn ist es sehr wahrscheinlich, dass du Rentieren begegnest. Hier lebt eine der Herden, die sich im Osten Islands angesiedelt haben. Es kann passieren, dass die Tiere auf der Straße stehen, also lass dich bitte nicht zu sehr von der Natur drumherum ablenken.

Höfn ist ein kleiner Hafenort, in dem es Supermärkte, Restaurants und Unterkünfte gibt. Mein Unterkunftstipp ist der Hof Dynjandi von Inga und Step, der ein paar Kilometer weiter auf der Ringstraße liegt. Inga ist mega lieb und gastfreundlich und gibt super Tipps für die weitere Reise. Step bietet private Ice Cave- und Gletschertouren an.

— kurzer Hinweis: ich bekomme für die Empfehlung nichts von den beiden, meine Empfehlung kommt von Herzen — 


Islands Ringstraße im Osten

Im Osten Islands erwartet dich die isländische Wildnis. Raue See zur einen Seite, Felswände zur anderen. Hin und wieder trifft man hier auf ein paar Häuser und wird dran erinnert, dass es doch auch Zivilisation im Land gibt. Ich war 2021 zum ersten Mal im Osten und muss dringend wieder hin um ihn noch mehr zu erkunden.

Die Strecke zwischen Höfn und Egilsstaðir ist gut an einem Tag machbar, selbst wenn man Abstecher in die Fjorde macht. Egilsstaðir ist die größte Stadt in Ost-Island und ein guter Ausgangspunkt, die einzelnen Fjorde zu erkunden.

Auf der Ringstraße durch den Osten fährst du durch mehrere Asche-, bzw. Sandwüsten. Bitte check vorher auf jeden Fall das Wetter, sonst wird es hier ungemütlich und gefährlich.

Kurz hinter Höfn liegt das Gebiet Stokksnes mit dem Berg Vestrahorn und einem Wikinger-Dorf, das mal als Filmkulisse aufgebaut aber nie benutzt wurde. Ein wunderschöner, fotogener Ort um eine Runde zu laufen und die Natur zu erleben. Im Viking Café gibt’s Kaffee, Kuchen und hier zahlt man auch das Eintrittsgeld für Stokksnes.

Der wohl bekannteste kleine Ort im Osten Island ist wahrscheinlich Seyðisfjörður. Hier landet man, wenn man mit der Fähre nach Island kommt. Ein beliebtes Fotomotiv ist die blaue Kirche, zu der eine regenbogenfarbene Straße führt. Angeblich gibt es in Seyðisfjörður das beste Sushi Islands, ich habe es noch nicht getestet. Im Skaftafell – Center for Visual Art gibt es leckeren Kuchen und Kaffee.

Auf die weiteren Fjorde gehe ich in diesem Text nicht ein, dafür war ich zu kurz und in zu schlechtem Wetter dort.


Die Ringstraße im Norden

Islands Norden hält einige Highlights bereit. Unter anderem ein Geothermalgebiet, die Wal-Hauptstadt des Landes und einen riesigen See inmitten von vulkanischer Landschaft.

Aber erstmal verlassen wir Egilsstaðir und können einen kleinen Badestop bei den Vök Baths machen. Das Schwimmbad wurde erst 2019 eröffnet und liegt an und in dem See Urriðavatn. „Im See“ weil hier 2 Hot Pots schwimmen.


Wenn du planst, Vök Baths zu besuchen, kannst du hier dein Ticket buchen, darüber würde ich mich sehr freuen 🙂


Der nächste Stop auf der Strecke zwischen Egilsstaðir und Akureyri ist der Stuðlagil Canyon. Stuðlagil ist eine Schlucht mit Basaltsäulen, in der ein milchig-blauer Fluss fließt und einen Besuch absolut wert (sofern man nicht im Winter dort ist). Im Sommer kann man bis runter ans Wasser gehen, wo der Canyon total imposant ist. Im Winter kann man „nur“ von einer kleinen Aussichtsplattform von oben in den Canyon schauen.

An der Kreuzung von Ringstraße und der Straße 864 kann man sich entscheiden, ob man den Diamond Circle oder weiter zum Mývatn fährt.

Der Diamond Circle ist der Golden Circle des Nordens und hält den Dettifoss Wasserfall, die hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi, die Halbinsel Tjörnes und Húsavík bereit. Húsavík ist bekannt für Jaja Dingdong, aber noch viel bekannter für seine Whale-Watching Touren mit 98%iger Sichtungsquote.

Man kann von Húsavík aus direkt nach Akureyri fahren oder den Diamond Circle schließen, indem man von der Straße 85 Richtung Góðafoss und weiter zum Mývatn fährt.

Rund um Mývatn

Rund um Mývatn liegen ein paar interessante Orte. Zum Beispiel das Geothermalgebiet Hverarönd am Vulkan Námafjall, das ich noch schöner finde als das Gebiet rund um Geysir. Hier liegt außerdem die Blue Lagoon des Nordens, das Mývatn Nature Bath, das günstiger und weniger besucht als das „Original“ im Süden ist. Game of Thrones Fans können Grjótagjá, die Liebeshöhle von Jon Snow und Ygritte besuchen, wobei ich vom Besuch eher enttäuscht war. Übrigens kann man hier nicht baden, das Wasser hat über 50°C und man würde langsam aber sicher durchkochen.

Ich fand den Hverfjall Krater extrem beeindruckend. Hverfjall ist ein Vulkankrater mit einem Kilometer Durchmesser, den man auf zwei Wanderwegen umrunden kann.

Am südlichen Mývatn befindet sich das Gebiet Dimmuborgir, hier kann man durch Lava-Felsen laufen und falls man bisher nicht an Elfen und Trolle geglaubt hat, wird man hier vielleicht umgestimmt. Vielleicht siehst du sogar einen der 13 isländischen Weihnachtsmänner, die leben nämlich hier wenn sie um die Weihnachtszeit nicht gerade in die Häuser einfallen und Chaos stiften.

Skútustaðagígar sind Pseudokrater, die von oben betrachtet, aussehen, als wäre man nicht mehr auf diesem Planeten. Hier gibt es auch ein, zwei Wanderwege.

Akureyri

Der letzte Stop im Norden ist gleichzeitig die Hauptstadt des Nordens und zweitgrößte Stadt Islands, Akureyri. In Akureyri kann man endlich mal wieder Stadtleben erfahren, jedoch nicht gleich die volle Großstadt-Ladung weil die Stadt auch nur knappe 20.000 Einwohner hat. Akureyri liegt am Eyjafjörður, ich empfehle, eine Unterkunft auf der anderen Seite bei Svalbarðsströnd zu nehmen, von hier aus hat man einen tollen Ausblick auf Wasser und Stadt.

In Akureyri gibt es neben Cafés, Restaurants, Bars, Supermärkten und anderen Geschäften den Botanischen Garten, der einen Besuch auf jeden Fall wert ist. Fun Fact: der Botanische Garten hat es zum Pokémon Go Boom in die internationalen Medien geschafft weil hier viele gute Pokémons am Start waren und die Spielerinnen blindlings durch die Pflanzen gelatscht sind.

Das Bild Akureyris ist durch die Akureyrarkirkja geprägt. Hinter der Kirche liegt das Schwimmbad der Stadt, das mir schon häufiger empfohlen wurde (ich hab den Besuch immer noch nicht geschafft). Ansonsten lohnt sich ein Spaziergang durch die vielen kleinen Straßen weil hier sehr viele süße Häuschen stehen und die Stadt einfach hübsch ist. 


Island Ringstraße im Westen

Die Ringstraße im Westen ist für mich der langweiligste Teil der Ringstraße. Einfach weil hier nicht viel passiert und die Landschaft im isländischen Vergleich auch eher langweilig ist. Ich fahre diesen Teil daher gerne zum Ende der Tour weil ich dann meist schon ein wenig übersättigt bin und nicht mehr für jeden Stein anhalten möchte.

Nichtsdestotrotz gibt es hier natürlich auch schöne Ecken.

Zum Beispiel die Halbinsel Vatnsnes mit dem Ort Hvammstangi. Hier leben Seehunde und Islandpferde. Im Westen der Halbinsel liegt der Felsen Hvítserkur, der ein beliebtes Fotomotiv ist weil er aussieht wie ein Elefant.

Schöne Wasserfälle, ein bisschen abseits von der Ringstraße sind Hraunfossar und Barnafoss, die nebeneinander liegen. Hraunfossar ist technisch gar nicht ein Wasserfall, sondern über hundert kleine Wasserfälle, die sich auf ca. 700 Metern ihren Weg durch eine Lavaschicht bahnen. Nebendran liegt Barnafoss, der ein bisschen mehr Energie aufbringt als Hraunfossar. Hier gibt es eine Wasserdüse (so nennt Wikipedia es), ein Loch, durch das das Wasser nur so durchschießt.

Weiter geht es Richtung Reykjavík, allerdings nicht unbedingt durch den Tunnel Hvalfjarðargöng, sondern den ganzen Weg um den Fjord herum. Der Hvalfjörður ist nämlich richtig schön. Im Sommer kann man von seiner Spitze aus zum Glymur Wasserfall laufen, der einst der höchste Wasserfall Islands war.

Vom Hvalfjörður aus kann man über die Straße 48 übrigens direkt auf den Golden Circle fahren und diesen noch an die Tour anhängen. Oder man fährt einfach nach Reykjavík und lässt bei Bier und Burgern die letzten Tage auf sich wirken.


Ich hoffe, ich habe die wichtigsten Orte der Ringstraße abgedeckt und dieser Text hilft dir ein wenig bei deiner Planung und der Vorstellung dessen, was dich auf der Ringstraße erwartet.

In meinem Reiseführer findest du ausführlichere Informationen zu den meisten Orten, die ich hier genannt habe und die Gegenden abseits der Ringroad.

CategoriesAllgemein
Sabrina

Góðan daginn!
Ich heiße Sabrina und das mit Island und mir hat schon angefangen, als ich ein Kind war. Meine Eltern hatten mir damals das Buch “Glósi mein Islandpferd” geschenkt und mein größter Wunsch war es, mal auf dem Rücken eines Isländers durch Island zu reiten. 2013 habe ich mir diesen Wunsch endlich erfüllt und Island steht seitdem jährlich auf meiner Reiseliste.

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