Eine Reittour in Island zu buchen…

graues Islandpferd

… klingt leichter als es letztendlich ist, scheint mir. Unter all den vielen Anbietern und Preisen muss man erstmal die Rosinen finden. Ich war bisher 3 Mal in Island reiten und habe meine Erlebnisse hier aufgeschrieben.

Ich möchte nämlich gerne in Island reiten gehen. Am liebsten natürlich ein oder zwei Wochen das ganze Land durchstreifen, aber das geht ja nicht. Also habe ich nach Touren Ausschau gehalten, die mir möglichst viel ein bis zwei Wochen reiten an einem Tag bieten. Sie sollten mich in Reykjavík abholen und in der touristisch völlig überfüllten Airwaves Woche noch ein Plätzchen haben. Das ganze gerne so günstig wie es beim aktuellen Wechselkurs möglich ist.

Am Ende hatte ich drei wirklich potenzielle Anbieter auf dem Plan. Eldhestar, Íshestar und Sólhestar, für die ich mich am Ende entschieden habe. Mit Eldhestar habe ich 2013 eine Tour gemacht. Es war traumhaft: 6 Stunden insgesamt, davon ca. 4,5 im Sattel. Vormittags zum Meer, Nachmittags in die Berge. Zwischendurch Mittagessen auf dem Hof. Tolle Pferde, die gar nicht in deutscher Schulpferd-Manier innerlich tot hintereinander hergetrottet sind, sondern richtig Gas gegeben haben, ihren eigenen Kopf hatten und auch mal andere Gangarten gelaufen sind als der Rest (nach 4 Stunden war es genug Tölt und ich wollte galoppieren). Bei Eldhestar war es kein Problem, dass ich meinen Transfer verpasst habe, ich konnte die Tour einfach verschieben und es war auch kein Problem, dass ich spontan von der 3-stündigen auf die 6-stündige Reittour gewechselt bin. Die Begleitung war super nett und hat uns viel über das Land erzählt. Soweit ich das sehen konnte, wurden die Pferde ordentlich gehalten. Außerdem wurde man mit Helm, dicken Sachen und Stiefeln versorgt (wenn man das wollte). Einziger Nachteil: keine Fotos vom Pferderücken aus. Trotzdem 9/10 und eine dicke Weiterempfehlung für Eldhestar!

Íshestar wurde mir von meiner Airbnb Host empfohlen, die gute Erfahrungen mit deren Reittouren gemacht hat. Hier werden mehrere längere Touren angeboten, aber leider waren alle an meinem Reittag bereits ausgebucht. Preislich tun sich Íshestar und Eldhestar nichts (die 6-stündige Tour liegt bei ca. 136€ inkl. Mittagessen).

Sólhestar hat von den drei Anbietern die wahrscheinlich unschönste Website. Dafür aber auch den besten Preis. Für ca. 126€ bekommt man hier die Ölfus Special Tour, bei der man 4-5 Stunden auf dem Pferd sitzt und Richtung Ingólfsfjall, einem Tafelvulkan zwischen Hveragerði und Selfoss reitet. Diesen Berg sieht man schon von der Ringroad aus und ich bin schon recht oft an ihm vorbei gefahren. Nun ist es Zeit, ihn auch mal vom Pferd aus in Augenschein zu nehmen. Großer Pluspunkt für diese Tour (neben dem Preis natürlich) ist, dass das Mittagessen nicht auf dem Hof, sondern in der Natur statt findet. Sólhestar bietet einen Pick-up und Drop-off an allen bekannten Hotels und Hostels in Reykjavík, warme Kleidung, Reithelme, Stiefel und light Refreshments, worunter bestimmt auch der Lunch fällt. Ich bin gespannt und werde berichten!

Reittour 2015

Heute war ich mit Sólhestar unterwegs und es war traumhaft! Die Reitzeit betrug inkl. Pausen etwa 5 Stunden und wurde nur durch kleinere Pausen unterbrochen. In den Satteltaschen war eine Flasche Wasser und eine Butterbrotdose mit einem Sandwich und Schokoriegeln (an dieser Stelle ein Tipp an Vegetarier: vorher kurz Bescheid geben, auf dem Sandwich war Schinken).

Da ich allein auf dieser Tour war (whoopwhoop!), konnte sich mein Tourguide ziemlich gut auf mich und meine Reitkenntnisse einstimmen und wir kamen recht flott voran. Das führte natürlich dazu, dass wir wahrscheinlich auch ziemlich weit geritten sind. Meine Guidin hatte sogar so viel Vertrauen in mich, dass sie mir ihr Pferd als Handpferd gab und auf den 5-Jährigen umsattelte, den sie dabei hatte und der gerade im Training ist. Das ist natürlich ziemlich cool, so konnte ich auch mal was machen, was ich vorher so nicht gemacht habe. Ich bin zwei Pferde geritten, die beide sehr freundlich waren und echt gute und bequeme Gänge hatten. Bei der letzten Reittour wurde mir gegen Ende sogar der Tölt zu ruckelig, das hatte ich heute gar nicht. Im Anschluss an die Tour gab es noch Kaffee oder Tee und Kekse. Insgesamt würde ich Sólhestar sofort weiterempfehlen. Und ich hatte sogar kurz überlegt, nächsten Sommer mal ein paar Wochen dort zu arbeiten (geht natürlich nicht wegen meinem Job, aber das vergess ich gerne…) – 10/10.

Reittour 2016

Ich war nochmal mit Eldhestar unterwegs. Es war auch beim zweiten Mal super, aber beim nächsten Mal finde ich die Strecke bestimmt schon alleine. Ich bin wieder die längste Tour geritten (Vormittags in die Berge, nachmittags zum Meer). Die Gruppengröße war am Vormittag 6 Personen groß, am Nachmittag war ich allein mit der Tourguidein unterwegs, das ist natürlich das beste. Es hat geregnet wie aus Eimern (außer beim Mittagessen) und es war richtig kalt. Aber das macht ja alles nichts, solange man ein Pferd unterm Hintern hat. Davon hatte ich 2 ganz wunderbare. Beide ein wenig temperamentvoll, flott und sie haben gut auf meine Signale reagiert. Gerade am Nachmittag hatte ich Zeit, mit der Frau zu reden, mit der ich unterwegs war. Alle 2 Monate oder so werden die Pferde aus dem Tour-Betrieb rausgeholt und wieder gerade-trainiert. Das erklärt auch, warum sie nicht wie deutsche Schulpferde hintereinander hertrotten. Zum Mittagessen gab es übrigens traditionelle Kjötsúpa (Fleischsuppe) und sie war sehr gut und genau das, was ich nach den ersten Stunden im Regen brauchte. – 9/10

Kategorie Island Touren
Autor

Góðan daginn! Ich heiße Sabrina und das mit Island und mir hat schon angefangen, als ich ein Kind war. Meine Eltern hatten mir damals das Buch “Glósi mein Islandpferd” geschenkt und mein größter Wunsch war es, mal auf dem Rücken eines Isländers durch Island zu reiten. 2013 habe ich mir diesen Wunsch endlich erfüllt und Island steht seitdem jährlich auf meiner Reiseliste.

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