Papageientaucher in Island
Sie sind klein, haben einen leuchtend bunten Schnabel und sind auf dem Land super tollpatschig und witzig: Papageientaucher (isländisch: Lundi) sind die heimlichen Stars der isländischen Tierwelt (sorry an alle Pferde und Schafe). Wenn du im Sommer nach Island reist, würde ich sagen, dass die Puffin-Beobachtung auf jeden Fall zum Pflichtprogramm gehören sollte.
Wann ist die beste Zeit, um in Island Puffins zu sehen?
Papageientaucher verbringen den Großteil ihres Lebens auf dem offenen Meer. Nur zur Brutsaison kommen sie an die isländischen Küsten zurück.
- Ab wann: Die ersten Vögel landen meist Mitte bis Ende April an den Klippen.
- Hauptsaison: Die beste Zeit für Beobachtungen ist von Mai bis Mitte August.
- Abschied: Spätestens ab der dritten Augustwoche ziehen die Puffins fast zeitgleich wieder aufs Meer hinaus, Ende August sind die Klippen wieder leer.
Mein Tipp zur Uhrzeit: Puffins sind tagsüber oft auf dem Meer zum Fischen. Die besten Chancen, sie in großer Zahl an ihren Bruthöhlen zu sehen, hast du am frühen Morgen oder am Abend.
Wo kann man in Island Papageientaucher sehen?
Island beheimatet eine der weltweit größten Kolonien dieser Vögel. Es gibt über das ganze Land verteilt Orte, an denen man sie sehen kann. Teilweise muss man eine Tour machen, um ran zu kommen. An anderen Stellen kann man sie easy vom Land aus beobachten.
Die Puffin-Karte für Island

Auf meiner Karte findest du die wichtigsten Standorte. Hier sind ein paar davon herausgepickt:
- Süden: Dyrhólaey (nahe Vík) und Ingólfshöfði (Traktorfahrt erforderlich!).
- Osten: Borgarfjörður eystri (einer der besten, bekanntesten und sichersten Spots mit Beobachtungsplattformen) sowie die Inseln Papey (Tour notwendig) und Skrúður.
- Norden: Die Halbinsel Tjörnes und die Inseln Lundey, Flatey und Grímsey (direkt am Polarkreis).
- Westfjorde: Die gewaltigen Vogelfelsen von Látrabjarg – hier kommst du den Vögeln so nah wie nirgendwo sonst. Auch Hornbjarg und die Insel Vigur sind top, hierfür musst du allerdings eine Tour buchen.
- Westen & Reykjavík: Die Inseln im Breiðafjörður zwischen den Westfjorden und Snæfellsnes und die Insel Akuey zwischen Reykjavík und Snæfellsnes (diese Insel wird von Whale-Watching & Puffin Touren angefahren).
- Westmännerinseln (Vestmannaeyjar): Hier lebt die größte Kolonie Islands, die vor allem durch die „Puffin Patron“ bekannt geworden ist, hierbei werden junge Puffins im ganzen Ort gesammelt und von den Klippen geworfen (dazu weiter unten noch mehr). Im Beluga Sanctuary gibt es eine Papageientaucher-Auffangstation.
Ich habe nach zig Jahren meine ersten Puffins übrigens an den Hringsbjarg Klippen auf der Halbinsel Tjörnes gesehen. In meinem Reisebericht: Island im Campervan Anfang Juni – Teil 2 kannst du nachlesen, wie das für mich war.






Lohnt sich eine Papageientaucher-Tour in Island?
An vielen Orten wie Dyrhólaey oder Látrabjarg kannst du Puffins kostenlos vom Festland aus sehen, man braucht also nicht zwingend eine Tour. Außer:
- Du willst die Perspektive wechseln: Vom Boot aus siehst du die Vögel im Wasser landen, starten und jagen. Das kann man vom Festland ohne Fernglas nicht so gut beobachten.
- Du willst an bestimmte Orte: Manche Orte wie Ingólfshöfði, die Inseln vor Reykjavík oder Hornbjarg im Norden der Westfjorde erreichst du nur mit einem Guide.
- Du willst mehr wissen: Die Guides erzählen oft spannende Details über das Sozialverhalten und Leben der Vögel, die man allein gar nicht mitbekommen würde.
Mein Tipp: oft gibt es Kombi-Touren, die Whale-Watching und Puffins verbinden. Wenn du eh eine Wal-Tour machen möchtest, lohnt es sich, die Papageientaucher gleich auch noch mitzunehmen.
Papageientaucher essen: Ein kontroverses Thema
In einigen Restaurants in Reykjavík findet man Papageientaucher auf der Speisekarte. Traditionell war Puffin in Island ein wichtiges Nahrungsmittel, um den harten Winter zu überleben. Heute wird die Jagd jedoch kritisch gesehen, da die Bestände durch den Klimawandel und den Mangel an Sandaalen (ihre Hauptnahrung) zurückgehen.
Ich empfehle dir, sie lieber durch die Kamera zu beobachten als zu essen. Die meisten Isländer selbst essen Puffin heute nur noch sehr selten zu festlichen Anlässen, die Angebote in den Restaurants richten sich (wie beim Wal-Fleisch auch) hauptsächlich an Touristen. Muss nicht sein.
Warum werfen Isländer Papageientaucher von der Klippe?
Vielleicht hast du schon mal von der „Puffin Patrol“ gehört oder gelesen (die wird gerne im Sommerloch von der Presse aufgegriffen und es gibt eine Arte Doku dazu). Auf der Insel Heimaey, die zu den Westmännern gehört, verirren sich jeden Sommer die Jungvögel, die übrigens Puffling heißen, im August in die Stadt. Das liegt daran, dass sie vom Licht angezogen werden. Sind sie erstmal im Örtchen, verlieren sie die Orientierung und werden dann von den Kindern im Ort aufgesammelt, um am nächsten Morgen an der Küste vorsichtig in die Luft geworfen zu werden, damit sie ihren Weg auf’s Meer finden. Gleichzeitig werden kranke oder verletzte Tiere aussortiert und im Puffin Rescue Center aufgepäppelt.
Wo leben Puffins eigentlich?
Sie leben in Bruthöhlen, die sie in die Grasnarbe oben an den steilen Klippen graben. Deshalb ist es so wichtig, nicht zu nah an den Rand zu treten: Die Erde ist dort oft hohl und könnte unter deinem Gewicht einstürzen – was fatal für die Vögel (und dich) wäre.
Darf man Papageientaucher berühren?
Die kurze Antwort:Nein.
Das Fett an unseren Händen zerstört die wasserabweisende Schicht auf ihren Federn. Grundsätzlich sollte man auch immer einen Abstand zu den Tieren halten, um sie nicht zu stören. So schwer es manchmal ist, Islands Wildtierwelt ist kein Streichelzoo.
Wo sind die Papageientaucher, wenn sie nicht in Island sind?
Puffins sind richtige Seevögel und verbringen den Winter auf dem offenen Meer, also im Nordatlantik, aber weit weg von Klippen und Brutstätten. Die besuchen sie tatsächlich nur zur Brutzeit.
Und du?
Hast du Papageientaucher in Island schonmal live gesehen? Wo war das? Ist der Ort schon auf meiner Karte oder hast du einen geheimen Spot, den ich noch ergänzen sollte 👀?
Ich freu mich drauf, von deinen Puffin-Erlebnissen in den Kommentaren zu lesen!

