Isländisch lernen

Tankstelle N1 in Island mit Blick auf den Berg Esja

Ich lerne seit Ende 2013 bei der VHS Frankfurt Isländisch. An dieser Stelle kommt von den meisten Leuten die Frage „Warum?! Ist das nicht voll schwer?“. Ich möchte das gerne mal beantworten.

Das wichtigste im Überblick:

Isländisch gehört zum germanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie
• Amtssprache in Island
• mehr als 300.000 Menschen sprechen Isländisch
• Alphabet: umfasst 32 Buchstaben. Vokale gibt es auch in einer zweiten Form mit Akzent. Zusätzlich zum lateinischen Alphabet gibt es Ð/ð, Þ/þ und Æ/æ. C, W, Q und Z gibt es im isländischen Alphabet nicht.

Wo kann ich Isländisch lernen?

Viele Volkshochschulen bieten inzwischen Isländischkurse an. Hierbei liegt der Fokus oft auf alltäglichem Sprachgebrauch, also Essen bestellen, Smalltalk, einfache Zusammenhänge verstehen etc. In Köln und Berlin gibt es auch kommerzielle Sprachschulen, in denen die Sprache angeboten wird. Ist keine Sprach- oder Volkshochschule in der Nähe, aber eine Hochschule, kann man auch mal im Skandinavistik-Studiengang nachfragen, ob man sich als Gasthörer*in in die Vorlesungen setzen darf. Hierbei ist zu bedenken, dass die Kurse einen sehr starken Fokus auf Grammatik und Sprache legen, nicht auf die Anwendung im Alltag.

Wer Isländisch in Island lernen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Auch hier gibt es kommerzielle Sprachschulen wie zum Beispiel Bréfaskólinn und Mímir in Reykavík oder der Hof Efri-Vík in Kirkjubæjarklaustur, wo man eine komplette Sprachreise machen kann. Außerdem bietet die Háskólasetur Vestfjarða in den Westfjorden Isländischunterricht für verschiedene Level an. Hier kann man vom einwöchigen Crashkurs über einen dreiwöchen Intensivkurs alles belegen, was das Herz begehrt. In der freien Zeit werden außerdem Ausflüge ins Umland und verschiedene Aktivitäten angeboten.

Warum lerne ich Isländisch?

Weil ich die Sprache einfach wunderschön finde. Und weil ich im Urlaub dort oben kein Wort verstanden habe. Ich finde, ein paar Floskeln sollte jeder können, der ein Land bereist, das ist nur höflich. Ich konnte beim ersten Mal nichts. Zudem befand ich mich Ende 2013 in einer Phase, in der ich mit Hobbies nicht viel am Hut hatte und mich einfach gelangweilt habe, weshalb ich mich mit dem Isländisch-Kurs in eine neue Herausforderung stürzen konnte. Außerdem höre ich oft isländische Musik und singe im Auto meistens mit…. und damit das nicht in Vonlenska (oder so… husthust) ausartet, lohnt sich der Isländischkurs allemal.
Mittlerweile bin ich in meinem 5. Kurs, kann etwas mehr als Floskeln (wahrscheinlich könnte ich überleben) und es macht mir nach wie vor sehr viel Freude.Icelandic handwriting

Ist das nicht voll schwer?

Ja, verdammt! Isländisch ist scheiße schwer! Wahrscheinlich ist es 100x leichter, Klingonisch zu lernen!
Nein, mal im Ernst: Isländisch ist keine einfache Sprache verdammt schwer. Wenn man sich dessen bewusst ist, geht es eigentlich. Am Anfang eines jeden Kurses steht wahrscheinlich das Alphabet und die richtige Aussprache der einzelnen Buchstaben. Der Unterschied zwischen Eth (Ð, ð) und Thorn (Þ, þ), wie ein rn am Ende des Wortes gesprochen wird, und warum a vor ng „au“ gesprochen wird, all das muss sich erst einmal setzen. Dann kommt natürlich die Grammatik hinzu. Meine Einschätzung? Isländer konjugieren alles und jeden. Und es ist harte Fleißarbeit, sich das alles zu merken. Aber irgendwann… irgendwann kann man den ersten Satz sprechen, versteht man ein paar Schilder und Sätze und dann ist man verdammt stolz auf sich. Und eines Tages sagt man dann auch mal ein zaghaftes Góðan daginn wenn man einen Laden betritt und bestellt seine Pítsa auf Isländisch. Und wenn dann noch der Zeitpunkt eintritt, an dem man sich merken kann, in welchen unregelmäßigen Wörtern das A zum Ö wird, weil das erste A fehlt, dann ist alles geritzt.


Isländisch – ein paar Basics

Isländer sind sehr stolz auf ihre Sprache und schützen sie, wo sie nur können. Jedes neue Wort von Außen, jede neue Erfindung bekommt eine eigene isländische Bezeichnung. So telefonieren Isländer mit dem Gemsi statt dem Handy, arbeiten mit dem tölva, vertreiben ihre Abende vor dem sjónvarp, wo sie vielleicht einen kwikmynd schauen.

Obwohl sie (meistens) perfekt Englisch sprechen, finde ich, schadet es nicht, den Isländern entgegen zu kommen und ein paar Bröckchen Isländisch im Hinterkopf zu haben wenn man nach Island reist, denn schon der Zielflughafen wird nicht „Keflavík“, sondern [Keblavík] ausgesprochen.

Begrüßung

Ein Faux-Pas, den man bei der Begrüßung eines Isländers machen kann, ist Hæ!, wie es ja in nordischen Ländern üblich ist. Allerdings auch nur wenn man es zu einem älteren Isländer sagt. Goðan daginn heißt Guten Tag und ist nie verkehrt. Darauf antworten kann man ebenfalls mit Goðan daginn oder um es kürzer zu halten mit Goðan dag oder Daginn. Komplizierter wird es mit unserem „Sei gegrüßt“. In Island ändert sich dieses nämlich je nach dem, ob man eine Frau oder einen Mann begrüßt. Möchte man eine einzelne Frau begrüßen, heißt es Sæl [sail], bei einem einzelnen Mann sagt man Sæll [saitch], wobei das Doppel-L am Ende ein „Luftstrom neben der Zunge lang ist, während diese am Gaumen klebt“, wie mein Isländisch-Lehrer gesagt hat. Am Besten bleibt man einfach beim Goðan daginn [gothan dajinn], das ist personenunabhängig immer das Gleiche.

Verabschiedung

Verabschieden ist einfach, Tschüß und Auf Wiedersehen heißen beidermaßen Bless oder Bless bless. Das kann sich wohl jeder merken.

Höflichkeiten

  • Danke = Takk
  • Ja, bitte = Já, takk [jau, takk]
  • Nein, danke = Nei, takk

Eyjafjallajökull

Seit er 2010 sämtlichen Flugverkehr über Europa lahm gelegt hat, ist der Eyjafjallajökull wohl so manchem ein Begriff. Wenn man ehrlich ist, ist es sogar ein ziemlich schwerer Begriff, der einem schon beim Anschauen einen Knoten in die Zunge zaubert. So manchem Reporter hat er das wohl damals auch.

Wenn man sich das Wort jedoch ganz genau anschaut und Silbe für Silbe ausspricht, dabei die ll-Regel beachtet (ll wird [dl], am Wortende [dch] gesprochen, wobei das ch ein Luftstrom an der Zunge vorbei ist), kann man den Knoten vermeiden und auf jeder Party ziemlich beeindrucken (ich habe das getestet).

Und nun: Viel Spaß beim Üben der Aussprache:

Ey – ja – fjall – a – jökull
Ei – ja – fjad – la – jökudch

Keine Gewähr

Ich habe viele hier Infos zum Isländisch lernen nach bestem Wissen, Gewissen, Recherche und eigenen Erfahrungen zusammengetragen. Trotzdem bin ich leider nicht vor Fehlern geschützt, deshalb möchte ich keine Gewähr übernehmen. Am Besten informierst du dich bei Sprach- und Volkshochschulen in deiner Nähe wenn du Isländisch lernen möchtest.
Wenn du weitere Tipps hast, freue ich mich, wenn du einen Kommentar da lässt. Danke ♡

Kategorie Blog
Autor

Góðan daginn! Ich heiße Sabrina und das mit Island und mir hat schon angefangen, als ich ein Kind war. Meine Eltern hatten mir damals das Buch “Glósi mein Islandpferd” geschenkt und mein größter Wunsch war es, mal auf dem Rücken eines Isländers durch Island zu reiten. 2013 habe ich mir diesen Wunsch endlich erfüllt und Island steht seitdem jährlich auf meiner Reiseliste.

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