Kann man in Island Leitungswasser trinken?
Wenn man fremde Länder bereist, stellt sich ja oft die Frage, ob man das Leitungswasser trinken kann oder es lieber sein lassen sollte (frag nicht, wie oft ich danach gegoogelt habe). Für Island kann ich dir zu 100% sagen: Jep, man kann es ohne Probleme trinken.
Island ist eines der Länder mit dem saubersten Leitungswasser der Welt, weshalb ich es umso absurder finde, dass überhaupt Flaschenwasser mit Attributen wie „durch Vulkanerde gefiltert“, „reines Gletscherwasser“ oder „natürliches Wasser aus Island“ vermarktet wird. Das trifft nämlich auch auf das Wasser aus dem Hahn zu. Aber lass uns mal reingehen:
Woher kommt das Leitungswasser in Island?
Das Leitungswasser in Island kommt überraschenderweise aus Island. Genauer gesagt von Gletschern, aus Quellen und aus dem Grundwasser. Rund 95% stammen direkt aus natürlichen Quellen, wobei das Wasser durch Lavagestein sickert und so quasi auf natürlichem Weg gefiltert wird. Natürlich kommt es nicht völlig unbehandelt aus dem Boden in den Hahn, sondern wird aufbereitet, wie bei uns auch. Der Unterschied ist, dass man in Island kein Chlor oder andere Chemikalien braucht. Das Wasser wird mit UV-Licht behandelt, was ausreicht, weil es kaum Schadstoffe gibt, die man erst entfernen müsste. Dazu kommt, dass Island kaum Industrie hat und relativ dünn besiedelt ist. Die Wasservorkommen sind dadurch so gut wie unberührt. Kein Wunder also, dass das Wasser aus dem Hahn nach nichts schmeckt außer nach Wasser.
Isländisches Wasser kann nach faulen Eiern riechen…
… das ist aber kein Merkmal von schlechter Qualität oder Unreinheit, sondern einfach ein Zeichen dafür, dass es warm ist. Heißes Wasser kommt in Island entweder direkt aus der geothermischen Quelle, daher kommt der Schwefelgeruch, oder kaltes Wasser wird erhitzt und riecht gar nicht. Ob das warme Wasser riecht oder nicht, hängt also davon ab, woher das Warmwasser bezogen wird. Gerade in Regionen mit hoher geothermischer Aktivität riecht man den Eiergeruch häufiger beim Duschen.
Kaltes Wasser riecht übrigens nach gar nichts. Für alles, was man trinken, kochen oder damit Zähne putzen möchte: einfach immer den kalten Hahn aufdrehen und ein paar Sekunden laufen lassen. Selbst beim warmen Wasser verschwindet der Geruch nach kurzer Zeit, wenn es ein wenig abkühlt.
Kann man überall in Island einfach so das Wasser trinken?
Ganz klares Ja. Egal, ob im Hotel, auf dem Campingplatz oder unterwegs an einer Tankstelle. Wenn das Wasser aus dem Wasserhahn kommt, ist es überall trinkbar und wird regelmäßig auf seine Qualität geprüft.
In Restaurants, Bars und Cafés muss man in der Regel übrigens kein Wasser kaufen. Entweder bekommt man eine Karaffe auf den Tisch gestellt, oder es gibt irgendwo einen Wasserspender zur Selbstbedienung. Das ist in Island und anderen nordischen Ländern einfach normal und definitiv eine Sache, die ich mir auch für Deutschland wünsche.
Kann man in Island auch aus Bächen und Flüssen trinken?
In weiten Teilen des Landes: ja. Das Oberflächenwasser ist in vielen Regionen so sauber, dass man direkt aus einem Bach trinken kann. Fand ich auf meinen Trekkingtouren auch extrem praktisch.
ABER! Zwei Dinge solltest du dazu im Hinterkopf behalten: In der Nähe von Bauernhöfen und Schafweiden können Bakterien ins Wasser gelangen, da würde ich eher nichts trinken. Und ich würde generell kein Wasser trinken, das komisch aussieht, also zum Beispiel trüb oder ungewöhnlich gefärbt ist, oder wenn Schwebstoffe drin schwimmen. Klares, fließendes Wasser abseits von Weideflächen ist aber in der Regel völlig in Ordnung und was ich sehr cool finde: man kann aus Wasserfällen trinken.
Kurz zur Nachhaltigkeit oder: Warum ich kein Flaschenwasser kaufen würde
Wenn man jetzt mal von einer Woche Urlaub in Island ausgeht und tatsächlich die empfohlenen 2 Liter Wasser am Tag trinkt, trinkt man in dieser Woche 14 Liter Wasser. Die Standard-Größe von Wasserflaschen ist 0,5 Liter, heißt: in einer Woche verbraucht eine Person 28 Plastikflaschen Wasser. Das ist schon eine Menge, aber stellen wir uns mal vor, man ist zu zweit unterwegs, dann sind es 56 Flaschen. Am Pfandautomaten würde man dafür 14,00 € bekommen und das ist schon eine reife Leistung!
Das günstigste Wasser, das ich in einer schnellen Recherche für Island gefunden habe, kostet 239 ISK, also umgerechnet etwa 1,60 € für einen halben Liter. Nehmen wir wieder unsere 28, bzw. 56 Flaschen, kommt man auf knapp 45,00 €, bzw. knapp 90,00 € allein für Wasser in einer Woche. Das treibt die Lebensmittelkosten von einer Islandreise schon ein bisschen in die Höhe.
Abgesehen vom Geld ist Flaschenwasser in Island auch irgendwie nochmal extra ironisch: Man kauft in Plastik abgefülltes Leitungswasser, um Leitungswasser zu trinken?! Ähm, ja.
Praktische Tipps und Hinweise
Nimm deine eigene Trinkflasche mit
Eins meiner wichtigsten Reise-Accessoire für Island ist meine eigene Trinkflasche. Ich nutze seit Jahren die SIGG Traveller 1 Liter (Affiliate). Kostet um die 20 € und hält viele, viele Jahre (außer man lässt sie mal wieder im Flugzeug liegen, so wie ich) und steht ehrlich gesagt über jedem Trend (looking at Stanley Cups). Worauf ich achten würde: ca. 1 Liter Fassungsvermögen, alles größere wird zu schwer (man kann ja überall nachfüllen), robustes Material, und wenn man möchte, dass das Wasser unbedingt kalt bleibt, gibt’s auch Isolierflaschen.
Ich benutze meine schon auf dem Flug und fülle sie am Flughafen nach der Sicherheitskontrolle auf, damit ich am Flughafen oder im Flugzeug kein Wasser kaufen muss. Am Flughafen Keflavík gibt es natürlich auch direkt die Möglichkeit, die Flasche aufzufüllen. Manchmal nehme ich sogar eine zweite Flasche Islandwasser mit nach Hause, um ein bissi länger was davon zu haben.
Wasserfilter sind ein nettes Extra
Auf Trekkingtouren mit einem empfindlichen Magen, würde ich einen Wasserfilter mitnehmen, z.B. den von LifeStraw oder direkt in die Wasserflasche eingebaut wie die Grayl. Gerade wenn man aus Bächen oder Flüssen trinkt, kann das Wasser aus verschiedensten Gründen leicht verunreinigt sein, hier regeln wahrscheinlich auch Chlor-Tabletten.
Ich habe keinen empfindlichen Magen und schon aus sehr vielen Flüssen in Island getrunken, deshalb sind Wasserfilter für mich ein Nice-to-Have, das ich zuhause lasse.

Kranavatn – Marketing für Islands Leitungswasser
Vor ein paar Jahren gab es die Kampagne Kranavatn, die das isländische Leitungswasser als umweltfreundliche und gesunde Alternative zu Flaschenwasser promoted hat. Dafür wurden isländische Berühmtheiten und Influencer ins Boot geholt, die dann aus verschiedensten Quellen und Flüssen getrunken haben, unter anderem direkt aus dem Skógafoss, was ziemlich cool ist.
Der Hintergrund der Kampagne war, dass etwa 70% aller Reisenden dem Leitungswasser in ihrem Urlaubsland nicht vertrauen, was ja bei manchen Ländern auch einfach Sinn macht. Die Folge ist, dass im Urlaub häufiger Flaschenwasser gekauft wird als zuhause. Irgendwie verständlich, aber auch absurd, weil man ja kurz hätte googeln können.
Im Zuge der Kranavatn-Initiative wurden in Reykjavík und anderen isländischen Städten auch viele öffentliche Trinkbrunnen aufgestellt, an denen man seine Flasche kostenlos auffüllen kann. Eine Karte der Brunnen findet man auf der Kranavatn-Website.
FAQ: Island Trinkwasser
Ja. Egal ob in Reykjavík, auf dem Campingplatz oder in einer kleinen Unterkunft irgendwo im Nirgendwo. Das Leitungswasser ist überall in Island sauber und trinkbar.
Das betrifft nur das warme Wasser, das geothermisch erhitzt wird und dabei natürliche Schwefelverbindungen aufnimmt. Kaltes Wasser riecht nach gar nichts.
In vielen Teilen des Landes ja. Nicht in der Nähe von Bauernhöfen oder Schafweiden, und kein trübes oder verfärbtes Wasser. Klares Bachwasser ist in der Regel unproblematisch.
Nein. Überhaupt nicht. Eine gute Trinkflasche reicht völlig aus.
Es ist dasselbe Wasser. Wirklich.
Empfehlung
Meine Anlaufstellen zur Buchung
Diese Anbieter nutze ich selbst für meine Island-Reisen und kann sie uneingeschränkt empfehlen.
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Danke für die Sigg Flaschen Empfehlung, fand ich sehr hilfreich!
Die Sigg Flaschen sind toll, sie halten das Wasser schön kalt. Meine musste ich aber doch nach min. 10 Jahren!!! wegschmeißen da das Gummi bröckelt… sonst sind sie unverwüstlich. :-)))