Verantwortungsbewusst in Island

Heute kommt mal der erhobene Zeigefinger auf diese Seite.
Ernstes Thema: verantwortungsbewusstes Reisen in Island. 

2017 waren laut Tourist Board 2.195.271 Touristen in Island. 2,2 Millionen also. Um es nochmal kurz ins Gedächtnis zu rufen: in Island leben nur 334.252 Menschen. Es waren also ungefähr drölfzig mal mehr Besucher dort als es Leute gibt, die in Island ihr Zuhause haben. Keine Angst, das wird kein Beitrag, in dem ich dazu aufrufe, nie wieder nach Island zu fahren (dafür müsste ich mir nämlich an die eigene Nase packen und dafür fahre ich zu gern hin). Er ist viel mehr ein Aufruf dazu, verantwortungsbewusst mit dem Land und respektvoll mit den Leuten umzugehen. Dafür habe ich nämlich auch schon genug Negativ-Beispiele gesehen.

Inspired by Iceland hat eine schöne Aktion gestartet – den Icelandic Pledge. Hier stehen die wichtigsten Punkte, die beim Reisen in Island berücksichtigt werden sollten.

  1. I pledge to be a responsible tourist
    Ich verspreche, ein verantwortungsvoller Tourist zu sein
  2. When I explore new places, I will leave them as I found them
    Wenn ich neue Orte erkunde, verlasse ich sie so, wie ich sie gefunden habe
  3. I will take photos to die for, without dying for them
    Ich mache zum Sterben schöne Fotos, sterbe aber nicht für sie
  4. I will follow the road into the unknown, but never venture off the road
    Ich folge dem Weg ins Unbekannte, verlasse dabei aber nicht die Straßen
  5. And I will only park where I am supposed to
    und ich parke nur dort, wo ich es darf
  6. When I sleep out under the stars, I’ll stay within a campsite
    Wenn ich draußen schlafe, bleibe ich auf dem Campingplatz
  7. And when nature calls, I won’t answer the call on nature
    Und wenn die Natur ruft (oder mein Körper), antworte ich darauf nicht in der Natur
  8. I will be prepared for all weathers, all possibilities and all adventures
    Ich werde auf alle Wetterlagen, alle Möglichkeiten und alle Abenteuer vorbereitet sein

Das fasst ziemlich gut zusammen, womit Touristen in den letzten Jahren in Island auf sich aufmerksam gemacht haben. Um ein paar Dinge zu nennen, die mir schon aufgefallen sind:

  • Müll an den schönsten Orten, zum Beispiel auf dem Laugavegur, wo von vornherein klar sein sollte, dass man einen Müllbeutel dabei hat
  • missachtete Absperrungen, zum Beispiel am Geysir (hier hat sich sogar Justin Bieber ordentlich die Füße verbrannt weil er näher ran wollte. Idiot.)
  • Fotosessions an Klippen, bei denen meine Mutter ausrasten würde, würde ich zu nah dran gehen (gleiches gilt für Wasserfälle (besonders Gullfoss) und den Reynisfjara Beach)
  • viel zu kleine Mietwagen auf F-Roads (ist ja nicht so, als gäb es im Wagen keine Hinweise, dass er nicht für diese Straßen gedacht ist)
  • viel zu selbstsichere Fahrer im Schneesturm auf verschneiten und vereisten Straßen (ist auch immer gut und sicher für alle anderen Autofahrer!)
  • Leute, die denken, sie könnten einfach wild campen (man. darf. es. einfach. nicht. Leute! Versteht das halt!)
  • Leute, die durch die Fenster in isländische Häuser oder Wohnungen fotografieren
  • Leute, die an der Straße Pferde füttern (ich habe mal eine Gruppe zurechtgewiesen, die den Pferden Kuchen mit Zuckerguss gegeben haben. Alles für’s perfekte Selfie, gä?)
  • Leute, die einfach auf fremden Grundstücken rumlatschen obwohl sie eingezäunt sind

Es ist nicht schwer, sich nicht daneben zu benehmen

Eigentlich ist es sogar ganz einfach.
Wenn man den Müll mitnimmt und ein bisschen aufpasst, nicht zu sterben, ist man im gut Benehmen schon ein gutes Stück weiter. Wenn man Absperrungen nicht als Serviervorschlag, sondern als Absperrung anerkennt, sogar noch ein Stück.

Fremde Tiere zu füttern ist für mich ein absolutes No-Go (besonders seit ich meinen Hund habe und weiß, wie ätzend es ist, wenn er Leckerlis zugesteckt bekommt). Die Bauern werden euch danken, wenn ihre Pferde und Schafe nicht mit Zuckerschock auf der Wiese liegen (Kuchen-Gruppe, I look at you).

Es schadet nicht, vor seinen Ausflügen zu planen und auch mal in den Wetterbericht zu schauen. Im Schnee mit dem Kleinwagen ins Hochland klappt halt nicht und wenn man liegen bleibt, wird der Urlaub teurer, als es ein 4×4 Wagen je sein kann.

Trifft man Einheimische oder kommt an ihren Häusern vorbei: nett sein. Bissi Respekt zeigen, nicht auf dem Grundstück zelten, nicht in die Häuser glotzen oder fotografieren. Macht man doch zuhause auch nicht so (hoffentlich).

Und für die ganz Krassen: Versuchen, das gut zu machen, was andere falsch gemacht habe. Bei mir sieht es so aus, dass ich Personen zurechtweise, wenn sie sich schlimm daneben benehmen. So hat die Kuchen-Gruppe zum Beispiel einen kleinen Vortrag dazu bekommen, warum es uncool ist, Tiere zu füttern, die man nicht kennt (und Tipps, wie die Selfies trotzdem gelingen). Auf meiner Laugavegur-Wanderung habe ich fremden Müll aufgehoben (auch schon am Strand, was mir krasse Anerkennung bei meinen isländischen Begleiter verschafft hat). Ich laufe nicht abseits der Wege, auch wenn ich mich für Fotos dann manchmal schlimm verrenken muss. Es geht irgendwie.

Island ist einfach zu schön, um es kaputt zu machen

Das meine ich echt so. 2,2 Millionen Besucher sind eine Wucht für so ein kleines Land. Für die Natur und für die Menschen. Inzwischen habe ich das Gefühl, die Stimmung gegenüber Touristen kippt vielerorts ein wenig. Wenn wir alle unseren kleinen Beitrag leisten, können wir das Land hoffentlich auch in vielen Jahren noch so erleben, wie wir es heute tun. Und nicht wie Natur-Disneyland, wo alles irgendwie nicht mehr echt ist.

Kategorie Blog, Dies & Das, Islandreise
Autor

Góðan daginn! Ich heiße Sabrina und das mit Island und mir hat schon angefangen, als ich ein Kind war. Meine Eltern hatten mir damals das Buch “Glósi mein Islandpferd” geschenkt und mein größter Wunsch war es, mal auf dem Rücken eines Isländers durch Island zu reiten. 2013 habe ich mir diesen Wunsch endlich erfüllt und Island steht seitdem jährlich auf meiner Reiseliste.

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